Wenig Regen verändert nicht nur die Wasserversorgung unserer Reben. Auch zunehmende Hitze beeinflusst, welche Rebsorten wir pflanzen, wann wir ernten und wie wir unsere Rebberge bewirtschaften. Diese Veränderungen bringen Herausforderungen mit sich, eröffnen aber auch neue Chancen.
Die passende Rebsorte
Nicht jede Rebsorte kommt mit der Hitze gleich gut zurecht. Besonders Pinot Noir reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen. Unter anderem wird die Aromabildung davon beeinflusst. Was für eine Rebsorte zur Herausforderung wird, kann für eine andere jedoch eine Chance sein.
Genau das zeigte sich vor einigen Jahren bei einer Parzelle in Varen. Die steile, trockene und nach Süden ausgerichtete Lage machte die Bewirtschaftung anspruchsvoll. Für Pinot Noir wurden die Bedingungen zunehmend zur Herausforderung.
Anstatt die Bewirtschaftung aufzugeben, haben wir die Parzelle an ihre Gegebenheiten angepasst. Die Steilheit wurde mit Terrassen aufgefangen, die Trockenheit mit Tropfbewässerung und für die Wärme entschieden wir uns für die Rebsorte Pinotage.
Die Rebsorte stammt aus Südafrika und braucht viel Wärme und Sonne, um ihre Fruchtaromatik optimal zu entwickeln. In kühlen Lagen reift sie nur schwer aus. Seit 2012 wächst deshalb Pinotage in unserer südexponierten Parzelle in Varen, wo heute ein fruchtiger und eigenständiger Wein entsteht.
Hitze während der Ernte
Während der Ernte bringt die Hitze andere Herausforderungen mit sich. Werden die Trauben zu warm geerntet, können aufgeplatzte Beeren bereits in den Kisten zu gären beginnen. Deshalb versuchen wir, sie möglichst kühl in den Keller zu bringen. Für unser Rebenteam bedeutet das auch, früh aufzustehen ;-)

Auch warme Nächte spielen eine Rolle. Der Zuckergehalt steigt rasch, während die Säure abnimmt. Gleichzeitig brauchen Aromen und Tannine ihre Zeit. Bei dieser schnellen Entwicklung kann das optimale Erntefenster entsprechend kurz sein. Manchmal liegen zwischen zu früh und zu spät nur wenige Tage.
Weniger Pflanzenschutz
Die Trockenheit hat aber auch eine positive Seite. Der geringe Krankheitsdruck hat es uns erlaubt, den biologischen Pflanzenschutz deutlich zu reduzieren.
Auf einer Versuchsfläche der Rebsorte Cabernet Franc sind wir dieses Jahr sogar ganz ohne Pflanzenschutz ausgekommen. Das bleibt in den meisten Jahren jedoch die Ausnahme.
Umso wichtiger ist es, nur so viel einzusetzen wie nötig. In steilen und schwer zugänglichen Parzellen hilft uns dabei eine Drohne. Sie fliegt definierte Routen ab und dosiert den Pflanzenschutz präzise.

Mit Blick nach vorne
Die Klimaerwärmung verändert die Bedingungen im Rebberg. Für uns bedeutet das, ohne Scheuklappen zu arbeiten und technische Innovationen aktiv aufzunehmen, wenn sie uns bei der Anpassung helfen.
Genauso wichtig ist für uns, selbst möglichst wenig zur Klimaerwärmung beizutragen. Diesen Weg verfolgen wir konsequent. Heute greifen Photovoltaik, Elektroautos, Batteriespeicher und die Elektrifizierung unserer Maschinen ineinander.
Unser Ziel ist eine möglichst autarke Energieversorgung. Den Strom produzieren wir schon seit 2007 mit eigenen Photovoltaikanlagen. Was wir nicht direkt brauchen, wird im Batteriespeicher zwischengespeichert und später genutzt.
Wir werden auch in Zukunft genau hinschauen, weiterlernen und unsere Arbeit dort anpassen, wo es sinnvoll ist.
Kurz erklärt
Hier erfahren Sie kurz und knapp mehr über die Bewirtschaftung unserer Rebberge.
Wie bewirtschaftet Cave du Rhodan seine Rebberge?
Unsere Rebberge in Salgesch werden biologisch bewirtschaftet. Dabei orientieren wir uns an biodynamischen Prinzipien, verzichten auf Mineraldünger und arbeiten unter anderem mit Begrünung.
Warum baut Cave du Rhodan Pinotage an?
Pinotage kommt gut mit hohen Temperaturen zurecht und braucht viel Wärme und Sonne für die Entwicklung seiner Fruchtaromatik. Deshalb eignet sich die Rebsorte besonders für warme, nach Süden ausgerichtete Parzellen.
Werden Trauben in heissen Jahren früher geerntet?
Das kann je nach Sorte und Parzelle der Fall sein. Entscheidend ist aber nicht allein der Zuckergehalt. Auch Säure, Aromen, Schalen, Kerne und Tannine müssen berücksichtigt werden.